Geißler-Orgel


Die Orgel von St. Marien gehört zu den wichtigen und nicht zu übersehenden Ausstattungsstücken der Kirche. Sie steht auf der Emporenseite und wurde 1864 von dem in Eilenburg ansässigen Orgelbaumeister Conrad Geißler gebaut. Im Jahre 1999 wurde sie von der Orgelbaufirma Voigt aus Bad Liebenwerda restauriert und 2000 mit einem festlichen Orgelkonzert durch Matthias Eisenberg eingeweiht. 2007 gestaltete eine Restauratorin das Holzgehäuse mit Farbe und Gold aus, so dass die Orgel nun sowohl äußerlich wie auch innerlich in neuem Glanz erstrahlt. 22 Register auf zwei Manualen verleihen dieser Orgel ein dem Kirchenraum angemessenes Volumen. Es finden regelmäßig Orgelkonzerte mit namhaften Organisten an dieser klangschönen romantischen Orgel statt. Conrad Geißler steht etwas zu Unrecht im Schatten von klangvollen Namen wie Sauer oder Walcker. Er schaffte es nicht nur 120 Orgeln zu vollenden, sondern sich zeitlebens auch noch zu behaupten gegen Nicolaus Schrickel, einen Orgelbaumeister, der sich kurz zuvor ebenfalls in Eilenburg niedergelassen hatte. Typisch für Geißler ist der noch ganz in klassisch-sächsischer Orgelbautradition gebaute kräftige, markige - aber nicht schrille - Plenumklang der Prinzipalregister und der kraftvolle, füllige Tuttiklang seiner Orgeln. Zum Principalchor gesellt sich der typische Grundbestand charakteristischer Register der Romantik: Gedackt, Hohl-, Doppel- und Traversflöte, Viola da Gamba, Salicional. An Zungenstimmen besitzt die Eilenburger Orgel eine Posaune 16` im Pedal, eine Trompete 8` im Hauptwerk sowie im Oberwerk eine Klarinette 8` (durchschlagend). Die Trompete ist nach französischer Art „aufschlagend“ gebaut mit sehr engen, am oberen Rand trichterförmigen Bechern in voller Länge. Die dem 19. Jahrhundert eigene Experimentierfreude ersetzte Geißler durch vorzügliche handwerkliche Arbeit und eine robuste, dauerhafte Funktionsweise seiner Orgeln. Ideal lässt sich auf Geißler-Orgeln romantische Musik des 19. Jahrhunderts darstellen, aber auch Werke aus früheren oder späteren Epochen. Conrad Geißler muss zu den bedeutendsten Orgelbauern in Sachsen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gerechnet werden.


Disposition

                       
Hauptwerk C-F"   Bordun 16', Principal 8', Viola da Gamba 8', Doppelflöte 8', Hohlflöte 8', Trompete 8', Oktave 4', Flöte 4', Quinte 3', Oktave 2', Mixtur 4fach
 

Oberwerk C-F”    Gedackt 8', Salicional 8', Flöte travers 8', Clarinette 8', Principal 4', Flöte amabile 4', Flöte 2'

Pedal C-D“          Subbaß 16', Violon 16', Posaune 16', Principal 8' 

Crescendo-Fußhebel und Handregister,
Koppeln: Hauptwerk an Pedal und Oberwerk an Hauptwerk